Warum sollten Kinder singen

Warum sollten Kinder singen

a cappella 01. März 2011 - persönliche Note –

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Freunde des Chorgesangs,

Singen fördert die Entwicklung von Kreativität und Persönlichkeit bei Kindern, macht Freude und weckt die Neugier am vielfältigen Einsatz des körpereigenen Instruments „Stimme“. Darüber hinaus werden die Fertigkeiten im Sprechen, Lesen und Schreiben gestärkt. Singen ist deshalb ein unverzichtbarer Bestandteil von Bildung und Erziehung im Kindergarten und in der Grundschule. So oder ähnlich wird die Bedeutung und Notwendigkeit des Singens mit Kindern in vielen Büchern aufgrund von Studien beschrieben. Angesichts unzähliger musikpädagogisch ausgeklügelter Konzepte kommt es eher unspektakulär daher:

Das ganz normale, alltägliche Singen ist ein Entwicklungsbeschleuniger für Kinderhirne.

Zum Beispiel wurden an der Uni Bielefeld 500 Vorschulkinder auf ihre Schultauglichkeit untersucht - und die Kinder, die bis dahin in ihrem Leben viel gesungen hatten, waren deutlich besser für die Schule geeignet als die Nichtsinger. Bei den viel singenden Kindern waren 89 Prozent schultauglich, aber nur 44 Prozent bei den wenig oder gar nicht singenden Kindern. Und das, obwohl keine Chor-Kinder untersucht wurden, sondern Kinder, die bisher lediglich zu Hause oder im Kindergarten gesungen hatten. Die Verantwortlichen der Studie hatten mit einem Entwicklungsvorteil für die singenden Kinder gerechnet. "Das Ergebnis hat uns aber in seiner Deutlichkeit doch überrascht". Dabei ging es neben kognitiven Fähigkeiten auch um körperliche Tests, die von den Singkindern in der Regel besser bewältigt wurden als von den Nichtsingern.

Das Besondere der Bielefelder Untersuchung ist, dass es reicht, einfach viel zu singen, um Kompetenzen zu erlangen, die für die Einschulung wichtig sind. Ein weiteres wichtiges Ergebnis der Studie - das bessere Abschneiden der singenden Kinder ist unabhängig vom sozialen Status der Eltern. Auch in sozial schwächeren Familien schneiden die singenden Kinder bei den Untersuchungen besser ab als die, die wenig oder gar nicht singen.

Kinder wollen singen.

Doch irgendwann merken sie, dass die Erwachsenen nicht singen, dass es ihnen sogar peinlich ist - und wenn niemand mit ihnen singt und musiziert, verlernen sie das spontane Singen. Mit großem Nachteil für ihre körperliche, kognitive, soziale und emotionale Entwicklung, wie inzwischen belegt.

Der Neurologe und Musikmediziner Professor Eckart Altenmüller hält das Singen für eine "Spielwiese" der Sprachentwicklung. "Kinder, die viel singen, sind besser darin, den Sprachklang und die durch Sprache ausgedrückten Emotionen zu interpretieren". Belegt ist auch - singende Kinder brauchten ausnahmslos keine Sprachförderung mehr. "Ich bin da, ich gebe ein Signal!" Singen fordert wie kaum eine andere Tätigkeit den ganzen kleinen Menschen: Das Hirn muss die Stimmbäder koordinieren, genau im richtigen Moment muss der richtige Ton getroffen werden, der Atem muss frei fließen, was wiederum nur mit einer aufrechten Körperhaltung geht. Dazu werden Glücksgefühl und Friedfertigkeit gefördert. wenn Kinder begeistert singen, sind sie körperlich und psychisch in Höchstform. All das kann Musikhören nicht leisten, so Altenmüller. Daniel Barenboim, Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper fordert: "Musik und Gesang muss zum festen Bestandteil im Alltag der Kinder werden." Musische Erziehung ist für jedes Kind von größter Bedeutung, wird aber – im Gegensatz zu den „messbaren Leistungen“ nach wie vor sträflich in Schule und Elternhaus vernachlässigt.

Deshalb wollen auch wir das Singen mit Kindern und Jugendlichen wieder zu einem Schwerpunkt unserer Arbeit machen. Wie und mit welchen Projekten, darüber wollen wir neben den anderen wichtigen Themen mit den Delegierten unserer Vereine in der Mitgliederversammlung am 13.3. sprechen.

Ihr
Klaus Ritter
Vorsitzender Sängerkreis Gelnhausen


 

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